Montag, 15. Januar 2018

Digitale Automatisierung und das unaufhörliche Ende der Arbeit

Für die Konkret habe ich eine Art Warnhinweis über den Zusammenhang von Produktivkraft und Informationstechnik verfast, der auf meiner Webseite nachgelesen werden kann: nichts Neues vom Fortschritt.

Ich habe mir bei diesem Text viel Mühe gegeben, das Problem einfach und prägnant darzustellen. In der Digitalisierungsdebatte wird zu oft mit mäandrierendem Soziologensprech Tiefsinn vorgetäuscht.

Die Debatte über Datenverarbeitung, Informationstechnik und Wissensgesellschaft krankt daran, dass die zugrundeliegenden Begriffe ganz unscharf verwendet werden, obwohl es gerade auf ihren Unterschied ankommt ... Wissen lässt sich nicht sinnvoll mengenmäßig bestimmen. Erving Goffman prägte den schönen Satz, es sei von allen Dingen am schwierigsten zu bewachen, "denn es kann gestohlen werden, ohne es wegzunehmen." Für die Produktion von Stahl ist Wissen ebenso notwendig wie Kohle, aber im Gegensatz zur Kohle wird es nicht durch seine Anwendung zerstört. Es kann nicht von lebenden Individuen abgetrennt werden. Um ihr Wissen zu teilen, müssen diese es entäußern – weniger gestelzt ausgedrückt: es aufschreiben oder aussprechen –; im günstigen Fall wird es zum Wissen anderer Menschen werden. Das Vervielfältigen von Computerdateien an sich vergrößert dagegen das Wissen kein bisschen. Menschen müssen sich die Fülle der Informationen erst aneignen. Kurz, Wissen ist das Ergebnis von Verstehen, Begreifen und Erfahren. Wir können den Analphabetismus nicht bekämpfen, indem wir ganz, ganz viele Bücher drucken.

Freitag, 12. Januar 2018

Mittwoch, 10. Januar 2018

Hauptsache Krawall

Täglich wieder verbale Randale bei web.de - denn nichts bringt mehr Klicks.

Dienstag, 9. Januar 2018

Digitalisierung der Psychotherapie

Biopolitische Rationalisierung, eine neue Stufe der Medikalisierung, Künstliche Intelligenz und emotionale Selbstvermessung - die Digitalisierung der Psychotherapie hat viele Aspekte. Nicht alle, aber wenigstens ein paar davon haben in meinen neuen Radiobeitrag für Impuls bei SWR 2 gepasst.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Montag, 4. Dezember 2017

Vom mühsamen journalistischen Kratzen an der institutionellen Oberfläche

Wenn ich, wie es häufiger mal vorkommt, von einer Behörde oder Firma etwas wissen will, lande ich nolens volens zuerst beim Pressesprecher. Wozu ist ein Pressesprecher da? Er kümmert sich um die Außendarstellung, das öffentliche Erscheinungsbild seiner Firma-Behörde-Partei-Stiftung-Verein-... Er filtert die Informationen aus dem Innern seiner Institution, damit in der Öffentlichkeit kein falscher Eindruck entsteht (oder etwa ein richtiger, aber schlechter).

Soweit alles bekannt, alles okay. Merkwürdig berührt mich nur das Missverhältnis zwischen der Hilfsbereitschaft und Eilfertigkeit, die manche Kolleginnen an den Tag legen, einerseits und ihrem konsequenten Mauern andererseits.

Wie zum Beispiel bei der DAK, der ich die Frage stellte, wie viele Versicherte eigenlich an den Online-Präventionskursen gegen Depressionen und andere psychische Erkrankungen teilnehmen. Ich bekomme wie üblich Werbetexte ("Hintergrundinfos"), aber, immerhin:

Zahlen versuche ich herauszubekommen, damit melde ich mich später.
Falls Sie in der Zwischenzeit noch Fragen haben, melden Sie sich gern.
Mach ich:
Vielen Dank! Wenn Sie nach Zahlen fragen: ein ausreichend langer Zeitraum (z.B. die letzten 3 Jahre) und die jährliche Teilnehmerzahl Deprexis / Veovita / bewilligte Richtlinien-Psychotherapien wären wunderbar.
Daraufhin passiert erst einmal eine Weile nichts mehr. Das ist normal. Jetzt ist die Fachabteilung dran, und die hat Besseres zu tun. Nach ein paar Tagen bekomme ich dann diese Nachricht:
Leider kann der Fachbereich die gewünschten Daten gerade nicht ziehen - wir sind mitten in einer Systemumstellung. Ich weiß aber mittlerweile, dass rund 7.000 Versicherte an unseren eMental-Health-Programmen teilnehmen.
Oh je! Ich versuche erfolglos anzurufen. Ich schreibe eine Email. Ich schreibe noch eine Email:
Leider habe ich Sie telefonisch nicht erreicht. Mit den 7 000 Versicherten insgesamt kann ich eher wenig anfangen (weil ohne Zeitraum, nicht spezifisch). Können Sie nicht rekonstruieren, wie viele Versicherte am Veovita-Programm seit Start teilgenommen haben?
Nö, geht nicht:
Leider kann ich Ihnen die Zahlen aus betriebsinternen Gründen nicht weiter aufschlüsseln. Danke für Ihr Verständnis
Überflüssig, sich da zu bedanken, ich habe kein Verständnis. Die DAK weiß nicht, wie viele Versicherte ihre Angebote wahrnimmt? Schwer vorstellbar. Ich hake noch einmal nach:
Um welche Sorte betriebsinterner Gründe handelt es sich denn?
Seitdem warte ich.

Dienstag, 14. November 2017

Nicht für das Leben lernen wir

In der FAZ von gestern beklagt Heike Schmoll die Leistungen der Bildungseinrichtungen:
Kaum eine Universität kommt ohne Liftkurse aus, um im Gymnasium versäumte Grundkenntnisse nachzuholen. Hier liegt das Hauptproblem der jeweiligen Bildungssysteme: Keine Schulart nimmt ihre Pflicht wirklich ernst, die Anschlussfähigkeit für die nächsthöhere Bildungseinrichtung zu garantieren. Das beginnt in der Kita, die gemeinsam mit den Eltern zumindest für die sprachlichen Voraussetzungen vor Schulbeginn sorgen müsste, das aber nur selten schafft. ... Die Abiturienten haben dann zwar eine Studienberechtigung, aber keine Studienbefähigung in der Tasche.
Etc. Solche Klagen erklingen seit den 1980er Jahren. Interessant ist nur die Überschrift:
Die Schularten werden ihrer Verantwortung als Zulieferer nicht gerecht.
So sieht`s aus, liebe Kinder, liebe Lehrer: Zulieferer seid ihr für die deutschen Unternehmen. Angestellte einerseits, das Rohmaterial andererseits in Lernfabriken, ein Fließband in dieser Megamaschine von der Kita über die Berufsschule oder Unibis zum Arbeitsplatz.